Nach zehn Jahren (huch, wie schnell doch so ein Jahrzehnt vergeht!) benötigte ich einen neuen Personalausweis und einen neuen Reisepass. Zu beantragen beim Kreisverwaltungsreferat der Stadt München. Um lange Wartezeiten zu vermeiden empfiehlt sich ein Besuch so gegen 4 Uhr morgens mit Thermoskanne und Tageszeitung. Dann warten dort erst 60 Personen und man kommt nach vierstündiger Wartezeit dran, vorausgesetzt, man hat vorher eine Nummer gezogen, die dann auf einer Tafel aufgerufen wird.
Die Abholung ist da weitaus einfacher geregelt. Man begibt sich direkt zur Abholstelle (=Schalter inkl. Schaltervorraum) und spricht eine hinter Glas arbeitende Stadtbeamtin an. Dienstags scheint da echt nicht viel los zu sein. Ich war allein. Allein mit Abholschein in einem Wartebereich vor dem Schalter. Ich begebe mich an die Passausgabe und reiche meinen Abholschein durch. Die Beamtin: "Haben Sie eine Nummer gezogen?" Ich: "Nein, wieso, ich bin doch allein". Beamtin: "Sie müssen eine Nummer ziehen". Ich: "Ist das ein Scherz?" Beamtin: "Ohne Nummer kein Pass". Ich: "Na dann". Ich ziehe eine Nummer, etwa nach einer halben Nanosekunde wird just diese Nummer auf der Tafel angezeigt, und ich stehe wieder vor der bereits erwähnten Beamtin, die zufrieden wirkt. Ich bekomme meinen Pass, meinen neuen Perso und frage mich, ob es therapeutische Anlaufstellen für Beamte gibt, Spezialpsychiater für neurologische Grenzfälle oder Patienten, die einzelne Personen als Menschenaufläufe wahrnehmen. Mein Nummernzettelchen dient mir jetzt als Lesezeichen und als Mahnung, nie wieder darüber nachzudenken, vielleicht doch lieber Beamtin geworden zu sein.
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Mittwoch, 7. März 2007
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